Verunsicherung wegen Moderna: Landrat Sailer warnt vor “Kollaps” in der Pandemiebekämpfung

Der Augsburger Landrat Martin Sailer reagiert entsetzt auf die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, zu Gunsten von Moderna weniger Impfstoff von Biontech/ Pfizer auszuliefern. “Dieser Schritt kommt einer Bankrotterklärung unserer Bundesregierung in der Pandemiebekämpfung gleich“, sagte Sailer am Montag.

Man kämpfe auf kommunaler Ebene mit allen Kräften gegen die wieder explodierenden Zahlen an und fühle sich jetzt förmlich sabotiert wo doch bis Weihnachten ein “Kraftakt in Sachen Impffortschritt” zu leisten sei, um jeder Person, deren Zweitimpfung länger als fünf Monate zurückliegt, ein zeitnahes Impfangebot zu machen.

Nur 1.000 Dosen Biontech/Pfizer statt 6.000 Dosen

Wie übereinstimmenden Medienberichten zu entnehmen war, sollen die bestellbaren Mengen des BionTech-Impfstoffs drastisch gedeckelt werden. Der Landkreis Augsburg soll künftig nur noch maximal 1.000 Dosen des Vakzins pro Woche anfordern können, faktisch benötige man laut Sailer aber Stand heute wöchentlich rund 6.000 Dosen BioNnTech, um die Impfkampagne allein im Impfzentrum in Bobingen voranbringen zu können. Sollte uns künftig nur noch ein Bruchteil dieser ohnehin schon unzureichenden Menge zur Verfügung gestellt werden, dann treibe das die Bemühungen des Landkreises, das völlig außer Kontrolle geratene Virus in irgendeiner Form bändigen zu können, vollständig in den Kollaps, betonte Sailer. Er fordert, dass die angekündigte Begrenzung der Impfstoffbestellungen unbedingt verworfen wird, damit wir im Kampf gegen das Virus überhaupt eine Chance wahren können.“ Eine Wiedereröffnung des Impfzentrums Gablingen-Siedlung sei aus Sicht des Landrats ansonsten völlig sinnlos: „Was bringt uns ein zusätzliches Impfzentrum, wenn wir den Impfstoff, dem die Bevölkerung mit am meisten vertraut, nicht verfügbar haben?“

Krisenkommunikation und – bewältigung “totales Desaster”

Sailer zufolge sei es ein zusätzliches Ärgernis, dass die Kreisverwaltungsbehörden von der angekündigten Maßnahme zum wiederholten Male nicht auf behördlichem Wege, sondern über die öffentliche Presse erfahren hätten. „Die Art und Weise der Krisenkommunikation und -bewältigung in Deutschland sind von Anfang an ein totales Desaster“, entrüstet sich Sailer. Andere europäische Länder würden völlig zurecht nur noch verwundert den Kopf schütteln, wenn sie nach Deutschland blicken. „Nachdem die letzten Monate in Bezug auf die Auffrischungsimpfungen und Pandemie-Bekämpfung offensichtlich verschlafen wurden, weil Bundestagswahl und Regierungsbildung im Fokus standen, sollten wir uns jetzt darauf konzentrieren, alle wieder an einem Strang zu ziehen und die Impfquote schnellstmöglich zu steigern. Stattdessen wird das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger fahrlässig verspielt, weil es heißt, dass sie jetzt gegebenenfalls nicht den Impfstoff zur Auffrischung erhalten, der ihnen zunächst zugesagt wurde”, so Sailer.

Sailer mit Moderna geimpft

“Ich selbst bin zweifach mit Moderna geimpft und kann den Impfstoff deshalb aus eigener Erfahrung nur empfehlen. Der mRNA-Impfstoff beweist Studien zufolge auch gegen die Delta-Variante eine sehr gute Wirksamkeit. Aber natürlich ist es nachvollziehbar, dass ein Impfstoff in der Öffentlichkeit nicht mehr sonderlich attraktiv wirkt, wenn es heißt, dass dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bald ausläuft und er deshalb verstärkt verimpft werden soll. Auch wenn nun leere BioNTech-Lager als Begründung für die geplante Deckelung genannt werden, bleiben große Zweifel an der Effektivität der Impfstoffplanung, deren Auswirkungen man letztlich wieder in den Impfzentren spüren wird“, so der Landrat in einer Pressemitteilung, die Sie auf der Homepage des Landkreises Augsburg in voller Länge finden.

 

 

 

22. November 2021