In Corona-Zeiten “trotzig und frech” Ostern feiern

Bischof Bertram Meier hat am Samstagabend bei der Osternachtsfeier im Augsburger Dom Ostern als kollektives Hoffnungszeichen gedeutet, das  es “trotzig und frech zu feiern” gelte.


Als die drei Frauen um Maria Magdalena das leere Grab Jesu vorgefunden hätten und damit zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung überhaupt wurden, sei von österlicher Freude keine Spur gewesen. Stattdessen seien sie laut biblischer Überlieferung voller Angst davongelaufen. Wenn heutige Christen Ostern als Freudenfest begehen könnten, so liege das am Bild des Auferstandenen, sagte der Bischof.

„Wir haben gehört und können sagen, wie Jesus Christus aussieht: Der Auferstandene zeigt die Wunden seines Leidens“, so Bischof Bertram. Christus habe die Macht des Todes gebrochen, doch sei gleichzeitig verletzt und gezeichnet vom Leiden geblieben: „Es ist dieses Bild vom verwundeten Christus, das wir den drei Frauen voraushaben.“

Auf der anderen Seite seien uns die Frauen mit ihren Ängsten aber auch wieder sehr nahe: „Lastet nicht auch auf uns die Sorge jenes schweren Steines, hinter dem alle Hoffnung begraben liegt?“ Die Wundmale unseres Lebens seien auch die Wunden des Karfreitags, der Nacht der Welt und in unserem Herzen. So wie das Licht der Osterkerze für sich allein das Dunkel des Domes nicht ganz ausleuchten könne, gehe auch die Nacht weiter – „doch sie ist verklärt. In ihr leuchtet die kleine Flamme von Ostern. Und dieses kleine Licht hat mehr recht als die große Dunkelheit!“, betonte der Bischof.

„Im Dunkel meines Lebens, hinter den Ängsten, die mich heute bedrängen, blitzt das Licht von Ostern auf.“ Gerade deshalb sei das Fest ein „kollektiver Hoffnungsmoment“, den es nicht nur in der Gemeinschaft, sondern auch persönlich zu Hause zu feiern gelte. Statt der Osterkerze in der Kirche könne man auch eine Kerze bei sich zuhause anzünden als Symbol für Auferstehung und Leben statt Sterben und Tod. Man müsse Ostern „trotzig und frech in Corona-Zeiten“ feuern und mit Zuversicht das Leben begrüßen, das stärker ist als der Tod: „Christus ist auferstanden. Halleluja. Amen.“

Eine Live-Aufzeichnung der Osternachtsfeier finden Sie bei den Kollegen von katholisch1.tv.

4. April 2021